Fachberatung

Gärtner im Quadrat

Überraschenderweise ist das nichts Neues, schon im Mittelalter entwickelte man diese besondere Methode im Quadrat zu gärtnern. Hierzu wurden kleine Flächen bedarfsgerecht mit Brettern, Flechtwerk oder Miniaturhecken (z.B. Buchsbaum) eingefasst und bewirtschaftet. Angewendet wurde das zunächst für Medizinalpflanzen und Kräuter, danach auch für Gemüse. Sehr viel später dann auch noch für den Obst­anbau und der Zierpflanzenbau entwickelte daraus sogar eine ganz eigene Gartenkultur.  Viele Umstände führten letztlich dazu, dass diese uralte Gartenmethode allmählich in Vergessenheit geriet und über einen längeren Zeitraum auch keine Bedeutung mehr hatte.

In den 80er Jahren hat ein Amerikaner mit Namen Mel Bartholomew das Konzept des Square­foot Gardening, den Quadratgarten, entwickelt und dabei teilweise die Ideen aus dem Mittel­alter aufgegriffen. Sein Konzept basiert darauf, dass man Gemüseanbau erfolgreich auf einer Fläche von einem Quadratmeter betreiben kann. Durch eine Gliederung von neun weiteren Flächen (30 × 30 cm) innerhalb diesem Quadratmeter kann so auf engstem Raum Gemüse angebaut, aber auch nur minimalisch geerntet werden. Natürlich können auch andere Größen und Unterteilungen zur Anwendung kommen, entscheidend ist hierbei dass Breite und Länge nicht 120 cm überschreiten. Nähere Hinweise dazu findet man im Internet.

Es gibt eine weitere Methode, bei der das „Quadratgärtnern“ ohne die von Mel Bartholomew vorgeschlagene Unterteilung eines Quadratmeters sehr gut funktioniert. Sie beruht auf dem gleichen Prinzip, benötigt allerdings für jede einzelne Gemüsekultur einen Quadratmeter, was eine wesentlich größere Gartengrundfläche voraussetzt. Zunächst einmal muss festgelegt werden, wo man so eine Anlage aufbauen kann. Schattige Flächen oder Gelände mit Baum- oder Strauchbewuchs sind eher ungeeignet. Außerdem sollte die Fläche möglichst eben sein und groß genug, um eine Wegeführung zu integrieren. Die Grundform kann quadratisch oder rechteckig sein und gibt dann automatisch vor, wie viele Quadratbeete einschließlich der Wege errichtet werden können. Die Wege sollten eine Breite von etwa 40 cm haben. Um sich solch eine Anlage besser vorstellen zu können, zeichnet man davon einen kleinen Plan. Der lässt sich später auch als Anbauplan einsetzen und könnte für weitere Kulturperioden als Fruchtfolgeplan verwendet werden.

Damit die Beete mit ihrer Einfassung sauber und gerade auf dem Unterboden aufsitzen, muss das Gartengelände sehr gründlich eingeebnet werden. Hanglagen oder abschüssiges Gelände sind dafür eher ungeeignet. Eine Bodenauflockerung auf der gesamten Fläche ist nicht notwendig.

In einem zweiten Bauabschnitt besorgt man sich im Baumarkt oder Sägewerk Baudielen bzw. Gerüstbohlen in der Stärke von 40 mm und einer Breite von mindesten 200–220 mm. Diese lässt man sich gleich vor Ort in 1 Meter breite Stücke schneiden. Bevor man diese Hölzer zu Kästen zusammenschraubt, sollte man das Material mit einer umweltfreundlichen Holzlasur imprägnieren. Besonders wichtig ist das an den Schnittkanten, wo die Dielenteile zusammengeschraubt werden. Zum Zusammensetzen der Kästen verwendet man mindes­tens 12 cm lange Spaxschrauben aus Edelstahl. Pro Verbindung macht es Sinn, drei dieser Schrauben zu verwenden.

Sobald alle Kästen verschraubt sind, kann die Anlage auch schon aufgebaut werden. Ein Metermaß, Richtlatte und Wasserwaage sind hierbei sinnvolle Hilfsgeräte und etwaige Unebenheiten können dann immer noch ausgeglichen werden. In einem nächsten Arbeitsschritt wird dann eine Bändchenfolie oder einfach ein festes Unkrautvlies auf die Wegeflächen aufgelegt, das dann später mit Rinden- oder Pinienmulch abgedeckt wird. Ebenso gut können hierfür ­schmale, passende Platten oder auch Kiesschüttungen verwendet werden.

Den Unterboden, auf dem die Kästen stehen, gräbt man nun mit einer Grabgabel so tief wie möglich auf und ebnet die Fläche wieder sorgfältig ein. Den eigentlichen Kasten füllt man mit gutem Mutterboden, feinem Holzkompost oder einem Bodenverbesserer auf. Zuletzt vermischt man den aufgegrabenen Boden mit dem Füllmaterial. Das Ergebnis ist dann ein wundervoller, lockerer, humusreicher Boden innerhalb einer Gartenfläche von einem Quadratmeter, der abhängig von der Jahreszeit sofort bepflanzt werden kann.

Natürlich ist das Ganze zunächst mit relativ viel Arbeit und etwas Geld verbunden, allerdings ergeben sich auch sehr viele Vorteile aus dieser Anbaumethode, die nachstehend noch kurz erläutert werden sollen. Neben rein optischen Vorzügen erleichtert das „Gärtnern im Quadrat“, wenn man sich einmal dazu entschlossen hat, die Gartenarbeit. Alle notwendigen Maßnahmen wie Wässern, Düngen, Unkraut jäten, Hacken, Boden lockern, sowie Pflanzenschutz usw. beschränken sich auf ein Minimum. Zudem werden Gießen und Düngen genau dosiert und pflanzengerecht eingesetzt. Durch den sehr tief gelockerten Boden eignet sich diese Anbaumethode besonders gut für Wurzelgemüse sowie Gemüsearten mit einer längeren Kulturzeit. Das bedeutet aber nicht, dass man hier keine Salate oder Radieschen anbauen könnte. Durch die günstigen Bodenverhältnisse und idealen Kulturbedingungen ist es bei manchen Gemüsearten möglich, zwei bis drei Ernten innerhalb einer Gartensaison „einzufahren“. Wer festgehalten hat, was in welchem Quadrat kultiviert wurde, der hat im Folgejahr auch keine Schwierigkeiten, eine Fruchtfolge einzuhalten.
Rundum gesehen eine sehr erfolgversprechende Anbaumethode für unterschiedliche Gemüsearten, die man jedem nur empfehlen kann.
 

Ihr Peter Hagen