Eine Königin hummelt – Audienz auf Phacelia

„Es wäre doch toll, einmal einer leibhaftigen Königin zu begegnen. Das kann man im Garten haben. Letzten Herbst saß in später Oktobersonne eine Hummelkönigin auf dem Blütenstand von Phacelia und schlürfte mit Behagen Nektar. Groß, dunkel, dicht pelzig behaart war sie eine imposanten Erscheinung, richtig königlich mit ihren fast 23 mm. Sie saß drei Tage und rührte sich kaum vom Fleck, bis sie sich mit lauten Gebrumm erhob und davonflog, ihrem Winterquartier entgegen, hoffentlich einem muckelig warmen Nest, aus dem sie jetzt nach dem Winter auftauchen und ein neues Volk gründen wird, wie es üblich ist im Hummelreich. Nistgelegenheiten gibt es in der Umgebung genug, vor allem eine alte Trockenmauer mit vielen wohnlichen Spalten zwischen den Steinen, auch etliche verlassene Mäuselöcher. In solch einem Nest ruht es sich gut, nachdem die Königin bis weit in den Oktober Phaceliablüten mit Nektar fand, um ihren Honigmagen zu füllen und davon im Winter zu zehren.
Nach einem mildem Winter und weiterhin günstiger Witterung verlassen mitunter Hummelköniginnen schon im Februar ihr Nest, jedenfalls bestimmt im März, spätestens im April. Jetzt braucht eine Königin sofort Futter, denn es wird viel von ihr verlangt. Als einzige Überlebende des vorjährigen Volkes baut sie nun ein neues auf, zunächst ganz auf sich allein gestellt. Sie muss selbst Futter suchen, viele Eier legen, den ausschlüpfenden Nachwuchs füttern. Dazu braucht sie Pollen für die Larven, Nektar für sich. Es kann jedoch noch so mild und sonnig sein, viel blüht so früh noch nicht, ein paar Krokusse, Schneeglöckchen, Lenzrosen. Das kann oft zu wenig sein. Dann wird es eng für die Königin. Findet man eine hungernde, erschöpfte Königin, ist erste Hilfe angebracht, indem man etwas Zucker in warmem Wasser auflöst und der entkräftet sitzenden Königin mundgerecht anbietet. Meist wird sie dankbar annehmen und sich bald erholen.
Man sieht wieder einmal, wie wichtig es ist, für frühe Blüten im Garten zu sorgen. Frühblühende Stauden sind Buschwindröschen, Lerchensporn, Winterling, Lungenkraut, Gehölze Salweiden, Haselnüsse, Hartriegel, Schlehe, Zierjohannisbeeren, Zierquitten, spätblühende Schneeheidesorten. Phacelia blüht nach früher Saat frühestens im Mai, aber immerhin. Es geht mit Phacelia leicht und schnell und irgendwo im Garten wird sich ein Plätzchen finden. Phacelia ist grundsätzlich als Bienenweide unverzichtbar, weil spätere Saaten für Sommer- und Herbsttracht sorgen und so nach der Fülle blühender Pflanzen im Mai/Juni den Nachschub sichern. Phacelia trägt außerdem als Gründüngungspflanze dazu bei, dass die Erde im Garten gut´wird. Sie ist zwar kein Stickstoffsammler wie etwa Lupine, liefert jedoch in kurzer Zeit erhebliche Mengen Grünmasse und bringt  Humus in den Boden. Und die Blüten sind einfach zauberhaft.

Foto und Text: Ilse Jaehner