Nisthilfen für Wildbienen & Co

 

NABU-Bienenexperte Hans-Joachim Flügel
sagt wie's geht

Wer Wildbienen im Garten ein Zuhause bieten will, sollte nicht nur auf die Optik achten. Eine falsch zusammengestellte Nisthilfe schadet den Bienen mehr, als sie ihnen hilft. Der Wildbienenexperte erklärt, was man vermeiden sollte und wie es richtig geht.
Durch das Phänomen des Bienensterbens und erst recht mit dem Presserummel um das Insektensterben sind Nisthilfen für Insekten sehr stark in den Vordergrund gerückt. Es gibt kaum mehr einen Bau- oder Gartenmarkt, in dem nicht wunderschön anzusehende Insektenhotels angeboten werden. Verschiedenste mit Löchern versehene Steine und Hölzer, Röhren aller Art und Durchmesser, vor allem aber Heu, gedroschenes Stroh, Kienäpfel und diverse Hohlkammern sollen Schmetterlingen, Marienkäfern, Florfliegen und Ohrwürmern neben Bienen eine komfortable Unterkunft bieten. Leider sind diese Vorgaben oft ohne Nutzen, häufig sogar kontraproduktiv. So sind z. B. Ohrwürmer nachtaktiv und zudem Allesfresser, die auch den Pollenvorrat oder gar die jungen Bienenlarven aus den Niströhren fressen. Sie und die übrigen Insekten finden außerdem in einem naturnahen Garten reichlich Unterschlupf.

Nisthilfen für Wildbienen
Wirklich bedürftig sind dagegen alle oberirdisch nistenden Wildbienen und Solitärwespen. Bei den meist schwarz gefärbten Solitärwespen versorgt jedes Weibchen, wie der Name besagt, allein ihr Nest. Dabei sind diese für Gartenbesitzer harmlosen Wespen von unschätzbarem Wert, denn sie ernähren ihre Brut mit Blattläusen, Blatt- und Rüsselkäferlarven sowie anderen, für den Gartenbesitzer schädlichen Insekten.
Über die Bestäubungsleistung von Wildbienen braucht hier wohl kaum mehr gesagt zu werden. Sie alle benötigen hohle oder – seltener – markhaltige Stängel, vor allem aber Bohrlöcher von Käferlarven, die sich in abgestorbenem Holz entwickeln. Gerade stehendes, gut besonntes Totholz ist aber aufgrund von Wegesicherungspflichten und ästhetischen Vorstellungen, in die ein toter Baum nicht passt, zur extremen Seltenheit geworden in unserer Kulturlandschaft. Wo sich doch noch ein solcher Baum befindet, entstehen jedes Jahr neue Bohrlöcher, weil jedes Jahr eine neue Käfergeneration das Licht der Welt erblickt.

Keine fest eingebauten Hölzer, sondern austauschbare Elemente
Das ist der zweite gravierende Fehler der so genannten Insektenhotels: die angebohrten Hölzer sind allermeist fest eingebaut. So werden die Wildbienen und Solitärwespen gezwungen, bereits als Nistplatz genutzte Bohrungen im Folgejahr erneut nutzen zu müssen. Diese sind aber nicht nur durch den Kot der vorjährigen Larven verunreinigt; es finden sich darin auch Pilzsporen und Krankheitskeime, die den neuen Bruterfolg rasch zunichtemachen. So sind diese Nisthilfen schon nach spätestens drei, vier Jahren unbrauchbar und es gibt nichts mehr zu beobachten. Hierdurch verlieren die Erbauer aber rasch ihr Interesse und lassen die Nisthilfen weiter unbeachtet hängen. Es ist deshalb sehr wichtig, dass alle Elemente eines so genannten Wildbienen-Hotels austauschbar sind und tatsächlich ausgetauscht werden sowie sich darin keine Aktivitäten mehr zeigen. Dabei gilt es zu beachten, dass die meisten darin nistenden Bienen und Wespen nur eine Generation im Jahr ausbilden und erst im Folgejahr schlüpfen. Bleiben die meisten Nesteingänge verschlossen, wird diese Nisthilfe bis zum nächsten Jahr in eine dunkle, trockene Ecke im Garten gestellt, damit eventuelle Nachzügler noch schlüpfen können.
 

Hans-Joachim Flügel, NABU
Foto: hbieser / pixabay.com