Pflanzenportrait

Jakobs-Kreuzkraut (Senecio jacobaea)

 

Für einige Menschen sind die sattgelben Blüten, die zurzeit besonders an Wegrändern, auf Weiden oder Ackerbrachen erstrahlen, eher ein Ärgernis als ein Grund zur Freude. Das Jakobs-Kreuzkraut, auch „Jakobs-Greiskraut“ oder einfach „JKK“ genannt, ist nämlich sowohl faszinierend als auch umstritten. Wenn Pferde von dieser giftigen Pflanze  fressen, können die Tiere schwere Leberschäden erleiden. Das ist besonders im Heu problematisch, da hier die abschreckenden Bitterstoffe der Pflanze abgebaut sind, die Pflanze aber weiterhin giftig ist. Finden Honigbienen keine anderen blühenden Pflanzen als das Jakobs-Kreuzkraut, kann es zu einer geringen Alkaloid-Belastung des Honigs kommen. Daher fordern einige Menschen die Bekämpfung dieser Pflanze. Besonders in Norddeutschland breitet sie sich stark aus. Als Grund für die Ausbreitung wird auch der Klimawandel vermutet. Er sorgt für gute Wachstumsbedingungen. Mag sie doch vollsonnige Standorte, die trocken sind, aber zwischendurch auch mal von Starkregen getränkt
werden. Auch die Düngung von Magerrasen spielt ihr in die Karten, da sie eher auf nährstoffreichen Böden wächst. Vor allem braucht die meist zweijährige Pflanze offene Bodenstellen. Die besiedelt sie schnell. Der Korbblütler produziert tausende flugfähige Samen, die viele Jahre keimfähig bleiben. Für die Insektenwelt ist das JKK besonders wertvoll: Über 170 Arten leben an und von der Pflanze! Eine Besonderheit ist der Jakobskrautbär. Das ist ein farbenprächtiger Falter, dessen schwarzgelbe Raupen vom JKK abhängig sind. Die Raupen nehmen die Giftstoffe der Pflanze auf, reichern sie in ihrem Körper an und werden auf diese Weise für ihre Fressfeinde ungenießbar. Auch bei Wildbienen ist die Pflanze beliebt. Insgesamt 11 Arten sammeln hier Pollen, darunter verschiedene Mauer-, Sand- und Löcherbienen. Honigbienen dagegen nutzen die Pflanze nur, wenn sie in der Umgebung kein anderes Blütenangebot finden. Gegen verunreinigten Honig hilft also am besten eine reichhaltige Landschaft mit vielen alternativen Blüten! Ansonsten ist es möglich, das Kraut durch eine Mahd während der Blüte und Nachblüte und mit einer Beweidung durch Schafe in die Schranken zu weisen. Interessanterweise vertragen Schafe die Pflanze. Die Frage ist jedoch: Sollten wir solch eine wertvolle heimische Pflanze überhaupt einschränken? Vielleicht hilft ja der Jakobskrautbär, der mit der Vermehrung des JKK immer bessere Bedingungen findet, ganz automatisch bei der Regulierung der Bestände.

Markus Schmidt, Stiftung für Mensch und Umwelt
https://www.stiftung-mensch-umwelt.de/