Die Welt der Kuckuckshummeln

Die Kuckuckshummeln (Psithyrus) bilden als Unterart eine natürliche Verwandtschaftsgruppe zu den Hummeln. Es besteht keine direkte Verwandtschaft der parasitären Arten zu ihren spezifischen Wirten. Die Untergattung umfasst knapp 30 Arten mit fast weltweiter Verbreitung, überall dort, wo ihre Wirte leben, d. h. in der Holarktis, in Südostasien und in Südamerika. Kuckuckshummel-Arten fehlen aber den verhältnismäßig wenigen Hummelarten der hohen Gebirge und der tropischen Breiten. Viele Arten sind weit verbreitet, mindestens zwei davon kommen sowohl in Europa wie auch in Nordamerika vor. Zusätzlich sind zwei sozialparasitische Hummelarten bekannt, die nicht zu Psithyrus gehören.
Kuckuckshummeln sind so genannte Sozialparasiten der übrigen Hummeln. Anders als sonstige Vertreter jener Gattung haben die Kuckuckshummeln keine besondere Beinbehaarung zum Sammeln von Pollen. Auch fehlt in den Völkern dieser Insekten die Gruppe der Arbeiterinnen: Ein Volk besteht ausschließlich aus Drohnen und Vollweibchen (die im Volk der Hummeln als Königinnen bezeichnet würden). Wegen ihrer parasitierenden Lebensweise werden diese Tiere nach dem Kuckuck benannt, der seine Jungen von fremden Elterntieren aufziehenlässt. In gleicher Weise lassen die Kuckuckshummeln die anderen Hummeln für sich arbeiten, also Nahrung beschaff en und ihre Jungtiere groß pflegen. Weibchen der europäischen Kuckuckshummeln ähneln oft in ihrer Färbung und Zeichnung ihren Wirtsarten (also den von ihnen parasitierten sozialen Hummelarten), diese Regel gilt aber nicht für die nordamerikanischen Arten.
Die Kuckuckshummeln erscheinen nach der Überwinterung etwas später als die Königinnen der Hummelarten, bei denen sie parasitieren. Das Weibchen dringt in das noch im Aufbau begriffene Nest einer Hummel-Königin ein und beginnt dort mit der Eiablage. Dabei kommt es oft mals zu Kämpfen zwischen der eindringenden Kuckucks-Königin und den im Nest lebenden Arbeiterinnen, die jedoch im Regelfall gegen den Kuckuck nicht bestehen können. Ein Kampf der beiden Königinnen, welche für eine von beiden tödlich endet, scheint dagegen die Ausnahme zu sein. Die Kuckuckshummeln ähneln ihren Wirtsarten in der spezifischen Zusammensetzung der Kohlenwasserstoff-Moleküle ihrer Cuticula, die für die Erkennung der Arten wichtig ist, sie können sich so möglicherweise leichter unerkannt ins Nest schmuggeln.
Kuckuckshummeln sind in der Regel wirtsspezifisch. Von 8 Arten ist nur eine einzige Hummelart als Wirt bekannt, bei 8 weiteren sind es wenige (2 bis 5), in der Regel verwandte Arten. Von den übrigen Arten liegen unzureichende Daten vor. Kuckuckshummeln sind generell seltener als ihre Wirte, ihr Verbreitungsgebiet ist in der Regel kleiner, vor allem zum Rand des Areals des Wirtes hin. Dadurch sind sie häufiger vom Aussterben bedroht als ihre Wirtshummeln. Entsprechend ist zu bemerken, dass der Einfluss der Kuckuckshummeln auf den Bestand der Wirtshummeln eher unbedeutend ist. Die größere Gefahr für die Wirtskönigin besteht darin, dass sie an Vernachlässigung durch die eigenen Arbeiterinnen eingeht.
Die erfolgreich eingedrungene Kuckuckshummel beginnt nunmehr mit dem Verzehr der Eier der Wirtskönigin, während sie selbst mit der Eiablage beginnt. Umgekehrt werden gelegentlich auch die Eier der Kuckuckshummel von der Wirtskönigin und den verbliebenen Arbeiterinnen verzehrt. Geschlüpfte Kuckuckshummeln beteiligen sich nicht am Sammeln von Nahrung und kaum an der Brutpflege. Auch sie verlassen zur Paarung das Nest des ursprünglichen
Hummelvolkes. Die begatteten Vollweibchen überwintern analog zu den Königinnen der eigentlichen Hummeln an versteckten Plätzen.

Jörg Gensicke