Nbg.-Sandreuth 073

90411 Nürnberg
Deutschland
Der Unterbezirk Nürnberg-Sandreuth stellt sich vor:

Der Ursprung der Gartenkolonie Nürnberg-Sandreuth geht über das eigentliche Gründungsjahr hinaus. Bereits im Jahre 1904 bewarben sich einige junge Eisenbahner bei der damaligen Eisenbahnverwaltung um Gartenland im Gleisdreieck Nbg.-Treuchtlingen und Nbg.-Crailsheim.
Ihnen wurde etwas Brach- und Wiesenland in Sandreuth zugeteilt. Mit viel Idealismus und Arbeit wurden von den Gründervätern Gärten angelegt und der Boden anbaufähig gemacht.Dabei waren nicht einmal eine Wasserleitung vorhanden, sondern das Wasser musste mühevoll vom 2 km entfernten Ludwigskanal herbeigeschafft werden.
Trotzdem entstanden immer mehr Gärten. Im Jahre 1908 waren es bereits mehr als 100. Es wurde notwendig, der Kolonie eine Organisation zu geben. Dies war die Gründung des heute noch bestehenden Kleingartenvereins.
In den folgenden Jahren wurde die Kolonie verschönert und ausgebaut. Ein Wasserleitungsnetz wurde verlegt. Aus einem ausrangierten Personenzugwagen entstand sogar eine provisorische Kantine.
Der zweite Weltkrieg war die schwärzeste Zeit in der Gartengeschichte. Durch Bombenangriffe auf die nahe gelegenen Eisenbahnnetze wurden auch die Kleingärten schwer in Mitleidenschaft gezogen. Nach Kriegsende mussten die vielen Bombentrichter mit Schutt aufgefüllt werden und die zerstörten Gartenanlagen allmählich wieder instand gesetzt werden. Neue Gartenhäuschen wurden aus Ziegelsteinen von den Ruinen der Stadt gebaut. Dies wurde durch viel freiwilligen Arbeitsdienst erreicht. Auch eine kleine Kantine mit einem dazu gehörenden Bierkeller konnte durch Gemeinschaftsarbeit aufgebaut werden.
Von nun an wurden regelmäßig Gartenfeste abgehalten. Es wurden Heringsbrater und Verkaufsstände aufgestellt. Der Höhepunkt eines solchen Gartenfestes war damals wie auch heute noch immer ein Lampionzug der Kinder durch die ganze Gartenkolonie.
Der erste Höhepunkt im Vereinsgeschehen war die 50-Jahrfeier mit Ehrung der 8 Gründungsmitglieder am 2. August 1958.
1961 konnte durch viele, viele freiwillige Arbeitsstunden und durch Unterstützung der Brauerei Vasold & Schmitt eine neue, 120 qm große Kantine errichtet werden, unser heutiges Vereinsheim. Jetzt war es endlich möglich, Versammlungen und Veranstaltungen in den eigenen Räumen abzuhalten.
Weihnachtsfeiern, Kappenabende, Frauen- und Rentnerstammtisch gehören neben dem Gartenfest seitdem zum festen Bestandteil des Vereinslebens.
Krisen gab es in der über 100-jährigen Vereinsgeschichte natürlich auch.
Bereits 1937 sollte eine Straße mitten durch die Kolonie gebaut werden. Der 2. Weltkrieg verhinderte das Vorhaben. 1963 drohte wiederum dieser Straßenbau. Es waren bereits Gärten zur Auflösung bestimmt. Glücklicherweise kam auch dieser Plan nicht zur Durchführung.
Aber 1983 schien es ernst zu werden. Die Bundesbahn wollte das gesamte Gelände verkaufen.
Es sollte das Straßennetz ausgebaut werden und Wohnhäuser und Fabrikgebäude entstehen.
Lange Zeit war die Zukunft der Kleingartenanlage ungewiss und die Kleingärtner mussten mit der Kündigung ihrer Pachtverträge rechnen.
Letzten Endes war es eine große, gemeinsame Protestinitiative der Gartenpächter, der Vorstandschaft, von Anliegern und Mitbürgern, unterstützt von Bürgervereinen, der Nürnberger Presse, Stadträten, Parteien und Fraktionen, welche Stadt und Bahn bewogen, ihre Pläne abzuändern.
Heute zählt die Gartenkolonie 120 Gärten mit ca. 200 qm Nutzfläche pro Garten. Die Zukunft scheint gesichert, denn lt. Gerichtsbeschluss der Regierung von Mittelfranken dürfen die Gärten nicht an Dritte veräußert werden. Damit besteht die Hoffnung, dass unsere Kolonie, die eine der ältesten in der Bundesrepublik ist, noch lange Jahre vor sich hat.